Die Share-Economy und das Veto der Wirtschaft


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Sharity – die Zukunft des Teilens – Bild: LeWeb13, flickr (Creative Commons)

Die Versteigerungsplattform ebay war eine Art Vorreiter der Share-Economy 2.0, jenen Begriff, den ursprünglich und in einem anderen Zusammenhang der Harvard-Ökonom Martin Weitzman maßgeblich geprägt hat: ausrangierte Gegenstände wurden und werden wieder unter die meistbietenden User gebracht. Weiternutzen statt wegwerfen, dafür auch noch ein paar Euros einstreichen. Das ist ressourcenschonend und bedient die Schnäppchenfreude.

Auf die Onlineshop-Plage, die das ursprüngliche ebay-Profil massiv verwässert hat, wollen wir hier nicht näher eingehen. Doch berührt auch dieses Phänomen das Kernproblem der Wirtschaft: Das Internet verändert alles. Der Kunde wendet sich ab von Ladenlokalen und stationären Dienstleistern, er surft.

Und häufig genug, zu häufig nach dem Geschmack der güterproduzierenden Wirtschaft und/oder gewerblicher Dienstleister, bleiben Sucher und Anbieter im Web unter sich. Digitale Privatheit, „peer to peer“, die Gewerblichen bleiben außen vor.

In Zeiten von Transparenzgesellschaft, Crowdfunding sowie Energie und Geschäftsfantasie von Start-ups ist die Ökonomie des Teilens zu einer eigenen Wirtschaftssparte herangereift (einen schönen Überblick über Konzepte und Plattformen der nationalen Szene findet sich hier.). Spätestens jetzt sieht die Wirtschaft ihre Verbraucherfelle davonschwimmen und interveniert.

Ein Dilemma, ganz gleich ob etwas gegen bare Münze in privater Sphäre den Besitzer wechselt, bargeldlos getauscht oder gar verschenkt wird – für Handel und Dienstleistung bedeutet jeder dieser Vorgänge ein Minus in den Bilanzen.

Sobald jedoch kommerzieller Geldfluss über Sharing-Plattformen unter Privatpersonen entsteht, müssen sie steuerrechtlich erfasst werden. In den USA versucht ob der komplizierten Gesetzeslage die Webseite 1099.is, der US-Share Economy eine Anlaufstation als Open-Source-Plattform zur für Steuerfragen anzubieten.

Davon sind wir in Europa noch ein Stück weit entfernt. Doch kann kein Zweifel darüber bestehen, dass sich die Share Economy dieser ungeliebten Herausforderung wird stellen müssen. Einen wichtigen Treiber dieser unausweichlichen Entwicklung identifiziert Susanne Götze in einem lesenswerten Beitrag in „Der Freitag“.

Die Autorin reflektiert zunächst die Ursachen und Aussichten dieses noch recht jungen Teils des Wirtschaftsgeschehens: „Doch wo verläuft die Grenze zwischen Teilen, Handeln, Verkaufen und Profit machen? Und was ist an Sharing-Geschäften solidarischer als am herkömmlichen Marktgeschehen? Bei genauerem Hinsehen erleben urkapitalistische Merkmale wie Konkurrenz, Profitstreben und Eigenvermarktung innerhalb der Share-Economy ein Revival, nur eben peer to peer.“

Götze konstatiert die unbestrittenen „… ökologischen Vorteile des Peer-to-peer-Handels als eine Art Recycling-Effekt“. Doch sieht sie die bereits juristisch ausgefochtenen Händel zwischen den Interessensgegensätzen als Vorboten eines Abwürgens der Share-Economy durch staatlich-fiskalische Steuerungselemente: Gewerbe anmelden, Steuern zahlen.

Aber auch die – metierfördliche – gesetzgeberische Lässlichkeit gegenüber dem industrialisierten Abmahnwesen ist als zweckdienliches Instrumentarium zu benennen. Manch ein Ebayer kann ein Lied davon singen. Doch ob das in der Konsequenz zu dem von Götze geargwöhnten „Todesstoß für das private Teilen“ führen würde, bleibt abzuwarten.

Rainer Hank und Winand von Petersdorff gehen den Megatrend des Teilens aus seiner ganz anderen Richtung an. Bereits der Titel ihres FAZ-Beitrages gibt die Richtung vor: “Haben ist seliger als Teilen!”.

Sie schlussfolgern: “Bläst man die Luft (Eigentum ist Diebstahl) aus der Share Economy hinaus, kommt etwas ganz anderes heraus: Nicht Teilen statt Haben ist der springende Punkt, sondern ganz im Gegenteil ein Zugewinn des eigenem Habens …”

Das Autorenduo verweist auf die Dynamik der 3D-Technologien und die dadurch entstandenen Möglichkeiten des Unikatbesitzes. Die Zukunft der Share Economy dürfte aber in einer Schnittmenge zwischen den beiden pointierten Sichtweisen und Prognosen von Götze sowie Hank/von Petersdorff zu verorten sein.

Immerhin soll laut der Studie “Sharing Economy” bereits jeder zweite Deutsche eben Teil dieser Sharing Economy sein.

Die von Harald Heinrichs initiierte Studie schlussfolgert: „Die Daten zeigen, dass Formen und Funktionen des Konsums in Bewegung gekommen sind und alternative Besitz- und Konsumformen mehr sind als ein Nischen- oder Oberflächenphänomen.“

Wesentliche Treiber, ja oft ihre unabdingbare Voraussetzung sind die sozialen Medien. Nachvollziehbar und kaum verwunderlich also, dass die Forscher auf eine Weiterentwicklung der Ökonomie des Teilens setzen.

Daher lohnt sich auch ein unverstellter Blick der Marketer auf das Phänomen des Teilens – lernen statt bekämpfen: „Was Marketer von der Share Economy lernen können”, Mirko Kaminski im Gespräch mit JP Rangaswami.