Zwischen digitaler Reputation und Schleichwerbung


Klaus Eck, Mailingtage 2013

Die Online-Reputation als hohes digitales Gut im Transparenzzeitalter: Klaus Eck auf den Nürnberger mailingtagen 2013. (Bildquelle: stapag)

Soeben erlebte Karlsruhe die WikiCon 2013, die deutschsprachige Wikipedia-Jahreskonferenz. Auf der Agenda: eine Reihe von Reizthemen, die man zwangsläufig anfassen und lösen muss, will man nicht an Reputation und Stellenwert einbüssen.

Dem Autorenschwund soll durch eine Simplifizierung der Vorschriften für das Verfassen von Artikeln begegnet werden. Zudem sollen mehr Frauen als Wikipedia-Autorinnen gewonnen werden. Aktuell liegt der Anteil an weiblicher Wiki-Inspiration knapp unter 10%.

 

Versuche an Einflussnahmen häufen sich

Ein ganz anderes Problem stellen die massierten Versuche an Einflussnahme von außen dar. Das Problem der Schleichwerbung thematisierte die WikiCon bereits in 2012 und verwies dabei auf ein breites Spektrum an medialen Lobbyakteuren: professionelle, gedungene Redakteure und Agenturen, umtriebige Unternehmen und Verbände, ja auch staatliche Organe.

In diesem Zusammenhang sorgte die im Vorfeld via Gerichtsbeschluss erwirkte Abmoderation der Agentur Wiki-PR aus dem Kreis der Wikipedia-Autoren für Aufsehen. Die erst 2010 in Austin, Texas, gegründete PR-Agentur war durch  Artikelmanipulationen ins Visier von Wikipedia und Wikimedia geraten. Nach eigenen Aussagen verfügten die Texaner über die Administrationsrechte zu mehr als 12.000 Wikipedia-Accounts von Kunden.

Während der WikiCon in Karlsruhe erläuterte der IT-Journalist Achim Killer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk die Praktiken von PR-Agenten und die Abwehrstrategien der Online-Enzyklopädie.

 

Reputationsmanagement

Aus dem Blickwinkel eines empfohlenen Reputationsmanagements empfiehlt der Blogger und Social Media Consultant Klaus Eck Unternehmen Transparenz und Behutsamkeit im Umgang mit eigenen Wikipedia-Artikeln. Auch wenn es nur Änderungen bei bestehenden Einträgen sind, sollten diese Aktivitäten nicht in die Obhut betreuender Agenturen delegiert werden.

Vielmehr empfiehlt Eck einen offenen Umgang, „welche Fakten geändert werden und warum – idealerweise unter Klarnamen“. Der Verzicht auf Marketingbotschaften versteht sich von selbst. Insbesondere Unternehmen, die häufiger Änderungen an ihren Artikeln vornehmen (müssen), seien gut beraten, mit Wikipedia-Administratoren und –Autoren zu kommunizieren, beispielsweise im Rahmen der Wikipedia-Stammtische.

 

Das dünne Eis der Schleichwerbung

Unabhängig davon sind Unternehmen gut beraten, auch die von ihnen selbst verfassten und als solche auch ausgewiesene Artikel kritisch zu würdigen – bevor sie mit ihnen die Enzyklopädie „bereichern“. Wie schnell das Eis dünn werden kann und man sich in den Fallstricken von Schleichwerbung verfängt, erläutert der Berliner Rechtsanwalt Thomas Schwenke: „Wikipediaeinträge von Unternehmen stellen Schleichwerbung dar, wenn sie für ein Unternehmen förderlich sind.“

Und das ist dann unversehens nicht nur mit Löschung des Beitrages oder gar des Accounts verbunden, sondern mit handfesten Abmahnungen wegen Wettbewerbsverstößen.